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Rückblicke 2021

2021 – Juni

Dit is Berlin, wa.“ Dieser Satz drückt aus, was viele denken. Dass Berlin ein bisschen anders ist als andere Städte. Wer sich Berlin-Schlagzeilen anschaut, Touristen belauscht oder mit Freunden über die Hauptstadt spricht, wird nicht so recht schlau: Denn da ist Berlin mal avantgarde, lässig, weltoffen und nicht zuletzt erschwinglich. Aber dann auch: überheblich, arm, dreckig, großmäulig. Die Marke Berlin ist schillernd und weltbekannt. Aber sie polarisiert auch. Fast jeder hat eine Meinung zu dieser Stadt. Man liebt oder hasst sie, oder man tut beides. So oder so übt die Stadt eine starke Anziehung aus. Sie ist groß genug uns dem Alpenmagneten zu entreißen, der ansonsten unsere Urlaubsziele maßgeblich beeinflusst. Wir machen uns also auf den Weg nach Berlin. Mit dem Rennrad.  

Der erste Tag führt uns von München nach Regensburg. Wir starten bei bestem Wetter und profitieren von einer gut ausgetüftelten Strecke. Ein Veranstalter von Radrennen hat die Strecke Berlin-München bei Komoot veröffentlicht. Für diesen Tipp sind wir in den nächsten Tagen noch oft dankbar, denn die Streckenführung ist überaus gelungen. Es werden fast ausschließlich verkehrsarme Nebenstrecken befahren. So bleiben uns nicht nur Stunden der Planung erspart, sondern wir kommen auch sehr stressfrei voran. In Regensburg erwartet uns eine malerische Altstadt mit imposantem Dom und einige nette Cafés & Restaurants. Nach zwei weiteren Tagen auf dem Rad erreichen wir Jena, welches sich vorrangig dadurch auszeichnet, nicht die Hauptstadt Thüringens zu sein (=Erfurt). Tags drauf geht es weiter nach Leipzig, was mit einigen fetzigen Slogans für sich wirbt: “Hier trifft Tradition auf Dynamik, ursächsische Gemütlichkeit auf Hightech-Business, klassische Kultur auf Avantgarde”. In unserem Fall treffen zunächst zwei Radlfahrer mit Handy-Navi in der Hand auf einen Polizisten, der uns ein Ordnungsgeld aufbrummt. Kackvogel. Wir genehmigen uns ein paar Leipziger Lärchen und mit steigendem Blutzuckerspiegel hebt sich auch die Stimmung wieder. Bis nach Berlin ist nur noch eine Zwischenstation geplant: Wittenberg. 500 Jahre lang hat die Katholische Kirche eines der erfolgreichsten Business Modelle überhaupt etabliert und kontinuierlich verbessert. Wer an einem Kreuzzug teilnimmt, erhält einen Nachlass der in der Beichte auferlegten Bußleistungen. Später wurde die Nutzerfreundlichkeit durch Barzahlungen sogar noch erhöht. Der Ablasshandel ist erfunden und der Rubel rollt sehr zur Freude der Kirchenoberhäupter. Am 31. Oktober 1517 wird es dem rebellischen Martin Luther allerdings zu bunt. Er veröffentlicht 95 Thesen, in denen er den Ablasshandel kritisiert. Weil es an werbewirksamen Plattformen wie Facebook & Co noch mangelt, nagelt er sein Papier kurzerhand an eine Kirchentür. Vielleicht auch des dramatischen Effekts wegen. Wer weiß. Bei uns folgt die finale Etappe nach Berlin. Nach ein paar Kopfsteinpflasterpassagen, die Paris-Roubaix Gewinnern das Fürchten lehren würden, rollen wir schließlich glücklich durch das Berliner Gewimmel und erreichen das Brandenburger Tor, wo wir von Fritzi in Empfang genommen werden, die Urquelle der Berliner Anziehungskraft.

Was ist sonst noch so passiert? Nachwuchs im Team Allgäu verfrüht aber gesund eingetroffen.